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hm... seltsam

Ein durchaus seltsamer Tag heute! Irgendwie hat sich wohl chaotische Herrlichkeit gegen mich verschworen und so ist erstmal alles, was mein Wochenende verschönern sollte, in Luft aufgegangen.... Der Kurzurlaub mit meinem Freund, das Hosten meiner Homepage (kann mir vielleicht einer sagen, warum die Bilder nicht angezeigt werden, wenn ich doch alle Verknüpfungsdateien, ordentlich klein-geschrieben und hochgeladen habe?!) und mein langer Urlaub in die Türkei fällt wohl auch flach, weil mein Konto sich als modellmäßig dünn erweißt und mir dadurch eigentlich viel weniger gefällt, als die feine Rubenslady meiner Freundin....
Nun ja, man kann nicht alles haben, nicht wahr?! Und ich bin immerhin auf seelischer Ebene glücklich, wozu brauche ich da Finanzen?!... *sign*

Kleiner Spruch des Tages also:
~ Warum so mutlos? Wir haben doch so viel Himmel über uns. ~
16.6.06 16:18


Let´s start right here!

Der Anfang vom Ende

Sicherlich waren sie auch alle mal jung, so Anfang 20 oder so. Aber das heißt noch lange nicht, dass sie wissen wie sich die Jungend eines zwanzigjährigen in der Zeit der großen Depression entwickelt.
In kurzen Episoden, möchte ich ihnen gerne einen Einblick in all das Chaos von Gefühl, Bürokratie und dem kleinen Wunsch nach Glück geben.

In meinem Fall, beginnt alles im Januar 2005.
2004 bestehe ich mein Abitur mit einer guten zwei. Aber zwei ist ja nicht gut, sondern schlecht, wie ich dann im Herbst von der ZVS erfahre. Mein absoluter Traum der Tiermedizin verpufft auf einem Blatt mit akribischen schwarzen Buchstaben. Der Inhalt wird mir natürlich erst im Laufe des Winters klar. 10 Semester Wartezeit sind immerhin fünf Jahre.
Und? Denke sie mit? Fünf Jahre Arbeitslosigkeit.
Und genau dieses Wort ist das Dreh- und Wendepunkt meines kleinen, persönlichen Dilemmas, welches wohl niemand und besonders nicht ich verstehe!

Im Januar 2005 sitze ich also ahnungslos im Arbeitsamt in Kirchen. Noch ist mir nicht bewusst, was auf mich zukommt, aber der Dinge nehmen ihren Lauf.
Das Betreten des Raumes ist schon alleine deshalb unangenehm, da man den Raum eben nicht kennt. Nur noch unangenehmer macht ihn die Tatsache, dass in diesem Raum viele Menschen verschiedener Herkunft sitzen, die ich alle nicht kenne, die sich alle aber untereinander kennen!
Ich schlängele mich so höflich und unauffällig wie möglich an den sitzenden und stehenden Menschen vorbei und bekomme langsam das Gefühl in die Sprechstunde meines Hausarztes einzutreten. Wenn die alle noch vor mir sind, dann aber Halleluja.
Also erstmal anmelden.
An der „Rezeption“ sitzt eine nette, ältere Dame die mich nach meinem Begehr fragt. Kleinlaut muss ich gestehen, dass ich mich arbeitslos melden will. Die Frau nickt nur gönnerhaft und drückt mir einen Bogen Papier in die Hand. „Den füllen sie bitte lückenlos aus.“ Ich nicke überrumpelt und husche mit einem Kulli davon.
Die Fragen auf dem Bogen sind recht simpel. Wie alt? Wo her? Wer sind die Eltern? Und wie viele Kinder leben in ihrem Haushalt, die unter 12 Jahren sind? Dass diese Frage mein Galgenstrick wird, können sie sich sicherlich auch nicht wirklich vorstellen. Gleiches gilt in diesem Falle für mich!
Nach Beendigung des Eignungstest für diesen Auszubildenden Beruf Arbeitslosigkeit, gebe ich den Test ab und werde angewiesen zu warten. Vor Zimmer 7, wenn mich nicht alles täuscht!
Es folgen Stunden ungemütlicher Warterei, welche nur noch von dem klischeeüberhäuften Klientel übertroffen wird: Rauchende Schwangere, freinrippunterhemdtragende 35-jährige, dicke Männer, kiffende Jugendliche und ungewaschene, in Jogginanzug anwatschelnde Personen, beider Geschlechter. Gesprächsausschnitte wie: „Hey, du bist heute auch schon wieder hier!“ sind allgemeine Begrüßungen, die mich schaudern lassen.
Nach zwei und einer halben Stunde öffnet sich die Tür zu einem kleinen Raum und meine Name wir mit unüberhörbarer Lautstärke gerufen. Irgendwie ist mir das ganze doch ziemlich peinlich und unangenehm. Wobei sich im folgendem Gespräch (oder auch Nichtgespräch) herausstellt warum: Mir wird hier klipp und klar gesagt, dass ich für den Untergang Deutschlands Schuld trage! Wie nett, ich wollte schon immer mal ein Volksheld sein.
Mit müden und genervten Augen guckt mich also die Frau vor mir an, die mich dann auffordert Platz zu nehmen.
„Womit kann ich ihnen helfen?“ fragt sie nett, aber ich bin überrascht, dass sie mein Anliegen nicht kennt.
Ich versuche einen intelligenten Eindruck zu vermitteln und sage: „Ich will mich….“ Weiter komme ich nicht denn das Telefon geht. Mit einer flotten Bewegung hängt der Hörer an dem Ohr der Frau und diese vertieft sich in ein Privatgespräch.
„Nein, also heute Abend ist schlecht…. Und was?! Henry kommt mit?! …. Dann komme ich nicht mit!“
Skeptisch aber noch freundlich schaue ich auf die Uhr und dann die Frau an. Ich will ja bloß, dass man das Häkchen bei arbeitslos anklickt.
Nach einer viertel Stunde würgt die Frau das Telefongespräch ab und guckt mich fragend an.
„Also ich will mich arbeitslos melden“, presse ich hervor. Die Frau sieht mich an, als hätte sie nichts anderes von mir erwartet.
„Gut, dann wollen sie ja sicherlich Arbeitslosengeld 2 haben!“ Irritiert sehe ich sie an und muss dann unwissend fragen: „Was ist denn das?“ Und von diesem Moment an bin ich die Dumme der Nation.
„Na das ist doch völlig klar! Sie bekommen dann Geld vom Staat!“ Schüchtern lächele ich wissend und sage: „ja das ist mir bewusst, aber was bedeutet das denn für mich? Wo liegen die Haken?“ Die Frau vor mir legt den Kopf schief als müsse sie denken, dann sagt sie ganz langsam, so als müsse sie einem Kind erklären, warum es mit Messer und Gabel essen soll: „ Sie bekommen dann Geld vom Staat. Eine gewisse ihnen angepasste Summe.“ Ich nicke verstehend und versuche natürlich zu klingen, als ich wieder frage: „Und wo liegt da der Haken? Was muss ich, so gesagt also dafür machen?“ Nun guckt sie mich an, als würde sie völlig an meinem Verstand zweifeln. „Sie bekommen dann Geld vom Staat und…“ weiter kommt sie nicht, denn das Telefon läutet. Die nächste halbe Stunde sitze ich nun da und warte darauf, dass sie erwähnt, dass ich darauf warte abgehandelt zu werden! Irgendwann legt sie den Hörer auf und guckt auf den Bogen, denn ich vor drei Stunden ausgefüllt habe. „Gut, Frau Krieger, sie haben also zwei Kinder im Haushalt, die unter 12 Jahre alt sind, aber sie sind nicht verheiratet. Leben sie mit dem Vater der Kinder in einem Haus?“ Ich nicke nur. „Ist der Vater Alleinverdiener?“ wieder nicke ich. „Was für ein Verhältnis haben sie also zu dem Vater? Werden sie ihn bald heiraten?“ Entsetzt schaue ich sie an. Ich werde doch nicht meinen Vater heiraten! Was denkt die denn? Mein Vater sei pädophil?! Und von Inzest hat sie scheinbar auch noch nie was gehört! Energisch schüttele ich also den Kopf. „Aber sie wohnen doch mit ihrem Freund in einer Wohnung?“ Wieder verneine ich, immerhin wohnt mein Freund ein Kaff weiter. „Also wohnen sie mit dem Vater der Kinder zusammen, habe aber eine Beziehung zu einem anderen?“ Erst nicke ich, aber dann wird mir klar worauf sie hinaus will: Sie denkt meine kleinen Geschwister seien meine Kinder. Ich muss lachen bei dem aberwitzigen Gedanken und trage ihr das Missverständnis vor. Meine Arbeitslosenbeauftragte nickte erkennend und fragt mich dann: „Gut! Und wer ist dann der wirkliche Vater ihrer Kinder?“ Das ihrer überhöre ich versehentlich, weil ich denke das Problem sei geklärt. Offen sage ich:„ Mein Vater!“ Argwöhnisch sieht mich die Frau an, dann tritt Mitleid in ihre Augen und mir wird klar, dass sie die Situation immer noch nicht verstanden hat. Aber langsam wird mir die Sache zu blöd. Unwirsch sage ich: „Ich habe keine Kinder, dass sind die Kinder meiner Eltern, meine Geschwister.“ Ernst sieht mich mein Gegenüber an. „Und wer ist denn nun der Vater ihrer Kinder? Immerhin haben sie eingetragen, dass in ihrer Wohnung zwei Kinder unter 12 sind und das jüngste ist 1994 geboren.“ Ich entschuldige mich und sage ihr, dass ich das falsch verstanden habe und diese Kinder die Kinder meiner Eltern sind, bei denen ich noch wohne.
„Sie wohnen also mit ihren Kindern bei ihren Eltern?“
Mir platzt der Kragen. Laut erkläre ich die Sache noch einmal und dieses Mal hat sie verstanden. Böse schaut sie mich an und meint, dass ich das auch hätte früher sagen können. Scherzend weise ich sie darauf hin, dass ich ja sieben Jahre alt gewesen sein müsste, um meine kleinen Geschwister als meine eigene Kinder auf die Welt zu bringen. Trocken sieht mich die Frau an und sagt dann nur: „Sie wissen ja nicht, was ich alle schon erlebt habe!“
Es folgt ein weiteres Telefongespräch, bei welchem ich demonstrativ genervt mit den Fingern auf den Tisch trommele.
Nachdem die Frau auflegt, kommt nur noch eine Frage. „Wollen sie jetzt Arbeitslosengeld2 haben oder nicht?!“ Da die Frau mich nicht beraten kann, ist es mir zu anstrengend nein zu sagen und so werde ich mit einem Stapel von Papieren eine Etage höher geschickt. Während ich herausgehe kann ich mir nicht verkneifen zu fragen, ob ihr der Job Spaß macht. Sie lächelt nur erschöpft und mir ist das mal Antwort genug.
Eine Etage höher warte ich wieder eine Stunde, bis mich ein völlig erzürnter Mann zu sich eintreten lässt. Nach einer Schimpftirade darüber, dass Menschen wie ich den Staat zerstören, kommen wir zum Punkt: Der Antrag für das Geld. Ich für meinen Teil bin mir immer noch nicht über die Konsequenzen bewusst und frage mit einer Engelsstimme deshalb den Mann vor mir. Der erklärt mir gereizt was es heißt diesen Antrag zu stellen.
Ich habe nun also verstanden worum es geht und weiß, dass ich niemals Geld vom Staat bekommen werde. Das teile ich meinem Gegenüber mit, in der Hoffnung seine Zustimmung zu finden. Natürlich hört er mir nicht zu.
„Frau Krieger, ich erklären ihnen das jetzt noch mal….“ Und so erklärt er mir noch einmal, wie und wodurch ich das Geld bekäme. Ungestüm unterbreche ich ihn, um ihm zu sagen, dass ich eben sehr wohl verstanden hätte, was er mir jetzt schon zu zweiten Mal erzählt. Doch scheinbar ist mein Aufbegehren ein Grund mir die ganze Sache noch mal zu erklären. Meine Füße beginnen unkontrolliert unter dem Tisch zu zucken und in meinem Bauch türmt sich eine Wut an, die mit Worten schwer zu beschreiben ist. Nachdem er endet sage ich bestimmt und nur mühsam beherrscht: „Ich denke, wir sollten das hier lassen, immerhin ist meine Vater Apotheker und sein Gehalt zu hoch für das Arbeitslosengeld.“ Entgeistert guckt mich der Mann an. „Warum haben sie das denn nicht gleich gesagt?! Sie rauben einem armen Mann ja die Zeit!“ Empört rechtfertige ich mich. Immerhin wollte ich nie Arbeitslosengeld haben, sondern nur das Häkchen bei Arbeitslos in meiner Akte! Und das setzt der Mann dann auch. In Sekundenschnelle...
Für diesen Moment habe ich fast fünf Stunden auf dem Arbeitsamt verbracht!

Wundert es sie also, dass statistisch gesehen, im Jahr eine Person durch einen Beamten des Arbeitsamtes vermittelt wird und dessen Abgabesteuern nicht die Kosten der Anstellung des Beamten decken?!

Ein Auschnitt aus meinem kleinen, aufregenden Leben.
16.6.06 13:39





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